Koran-Exegese zu Sura 47.20-21 – Kampfbefehl

Vorwort

Jedesmal wenn in Diskussionen geleugnet wird das der Koran zu Gewalt aufruft, dann denke ich an Sure 47:20-21.

In dieser Sura geht es um Gläubige, eine rechtsgültigeKampf-Sura,Heuchler, eine Warnung und Gehorsam. Aber wie Sie es erwarten werden, möchte ich diesen Vers nun analytisch aufarbeiten.

Bei der Auslegung des Verses greife ich auf Korankommentatoren zurück die in der gesamten sunnitischen Welt höchste Anerkennung genießen und deren Bücher in jeder Moscheebibliothek zu finden sind: Al-Tabary, Al-Qortoby und Ibn Kathir (Textquelle: http://quran.ksu.edu.sa/tafseer/).

Der Vers lautet:

„Und diejenigen, die glauben, sagen: „Wäre doch eine Sura offenbart worden!“ Wenn aber eine eindeutige Sura herabgesandt wird und darin der Kampf erwähnt wird, siehst du diejenigen, in deren Herzen Krankheit ist, dich anschauen, wie einer schaut, der im Sterben ohnmächtig wird. Näherliegender wären für sie. Gehorsam und geziemende Worte. Wenn die Angelegenheit beschlossen ist, dann wäre es wahrlich besser für sie, sie würden Allah gegenüber wahrhaftig sein.“ (Koran 47:20-21)

Es handelt sich um den 20 Vers aus der Sura die mit dem Titel „Mohammed“ bezeichnet wird. Ähnlich wie bei anderen Suren auch hat diese Sure einen weiteren Namen und zwar „Al-Qital“ – was „der militärische Kampf“ bedeutet. Bei dem Begriff Al-Qital handelt es sich immer um einen physischen bewaffneten Kampf mit der Waffe in der Hand. Dieses Wort ist sprachlich auch außerhalb des koranischen Kontextes nicht mehrdeutig.

Koranexegese auf Basis von Al-Tabary, Al-Qortoby und Ibn Kathir

Nun als erstes zu den Gläubigen. Sie verlangen nach einer islamisch-gesetzlichen Rechtfertigung für den Jihad. Als Allah den Jihad mit der Waffe in der Hand zu einer religiösen Pflicht erklärt,ewollten einige dies nicht wahr haben (vgl. Ibn Kathir). Ibn Kathir untermauert die unerhörte Abwendung vom Kampf einiger Muslime in seinem Kommentar mit einem Querverweis auf Vers 4:77:

„Siehst du nicht jene, zu denen gesagt wurde: „Haltet eure Hände zurück und verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe1.“ Als ihnen dann aber vorgeschrieben wurde zu kämpfen, fürchtete auf einmal eine Gruppe von ihnen die Menschen wie (sie) Furcht vor Allah (haben) oder mit noch größerer Furcht, und sagten: „Unser Herr, warum hast Du uns vorgeschrieben zu kämpfen? O würdest Du uns doch auf eine kurze Frist zurückstellen!“ Sag: Der Genuß des Diesseits ist gering. Und das Jenseits ist besser für jemanden, der gottesfürchtig ist. Und euch wird nicht um ein Fädchen2 Unrecht zugefügt.“

Nun zu der rechtsgültigen Kampf-Sura.Der arabische Originaltext (zumindest gemäß der heute angerkannten Lesart, dazu später mehr) lautet „[…] Wenn aber eine „سُورَةٌمُحْكَمَةٌ“ („SuraMohkamah“) herabgesandt wird und darin der Kampf erwähnt wird […]“. Was bedeutet aber nun „SuraMohkamah“? Sprachlich bedeutet es „eine eindeutige/rechtsgültigeSura“. Al-Qortoby erklärt diesen Begriff mit den Worten „لانسخفيها“ – dies bedeutet, dass es eine Sura ist, die nicht durch eine neue Gesetzgebung überschrieben oder aufgehoben wurde, wie es bei manch anderen Koranabschnitten der Fall ist. Weiterhin erklärt er wie auch Al-Tabary, dass jedeSura in der vom Jihad die Rede ist eine „SuraMohkama“ ist. Somit ist jede Sura in der der Jihad erwähnt wird eine rechtsgültige Sura.Al-Qortobyund Al-Tabary führen in ihren Kommentar weiterhin aus, dass es zu diesem Vers auch eine andere Lesart gibt, nach der es nicht „SuraMohkama“ sondern „سورةمحدثة“ („SuraMohdatha“) heißt. Dies bedeutet „eine neue Sura“ – also eine Sura die zuvor noch nicht offenbart wurde (vgl. Al-Qortoby; Al-Tabary). Diese Lesart hat es allerdings nicht in die heutigen Koranausgaben geschafft und wird daher hier auch nicht weiter verfolgt.Der Begriff „SuraMohkama“ der für uns wichtig ist, weil er in den heutigen Koranausgaben enthalten ist, ist interessant, da in Sura 3:7 davon die Rede ist, dass der Koran aus eindeutigen („AyatMohkamat“) und mehrdeutigen Versen besteht. Die eindeutigen Verse bedürfen keinerlei Auslegung, da sie klar, deutlich  und rechtsgültig sind. Zu diesen klaren, eindeutigen und rechtgültigen Versen gehören,wie wir eben gelernt haben,alle Verse die zum militärischen Kampf aufrufen. In den Diskussionen wird aber immer behauptet, dass gerade diese Verse interpretierbar wären, was nun nachgewiesenermaßen Falsch ist.

Nun zu den Heuchlern. Diese eindeutigen und rechtsgültigen Suren in denen der Kampf befohlen wird sind nach Al-Qortoby und Al-Tabarynur schwer für die Heuler zu ertragen. Es steht geschrieben:„Wenn aber eine eindeutige Sura herabgesandt wird und darin der Kampf erwähnt wird, siehst du diejenigen, in deren Herzen Krankheit ist, dich anschauen, wie einer schaut, der im Sterben ohnmächtig wird“. Al-Tabaryerklärt, dass Allah diesen Heuchlern das Herz verstockt hat und sie nicht in der Lage sind den prophetischen Befehl zu begreifen.  Diese werden als Heuchler, Zweifler und Feiglinge beschrieben (vgl. Al-Qortoby, Ibn Kathir, Al-Tabary). Genauso blicken mich viele meiner Diskussionspartner in den öffentlichen und privaten Diskussionen an, wenn ich aus dem Koran die Befehle zum militärischen Kampf zitiere.

Nun zu der Warnung und dem Gehorsam. Der Vers endet abrupt mitten im Satz mit den Worten „Näherliegender wären für sie“. Al-Tabary sieht in diesem halbfertigen Satz, der erst mit dem nächsten Vers weitergeführt wird, eine ausgesprochene Warnung die sich dann erst im nächsten Vers fortführt. Besser wäre es für diese Heuchler sie wären gehorsam und würden geziemende Worte sprechen – verlangt wird also das gehorsame Folgen auf das Schlachtfeld und die geziemenden Worte sind die mündliche Bestätigung dieses göttlichen Kampfbefehls.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Gläubigen von den Heuchlern durch die Kampf-Suren ausgesiebt werden. Diese Kampf-Suren sind eindeutig und haben eine absolute Rechtsgültigkeit. Die Heuchler können diese Tatsache aber nicht ertragen und schauen einen an als wären sie im Sterben ohnmächtig geworden. Geziemender wäre es aber, sie würden dem Aufruf zum Kampf folgen und ihn durch ihre Reden bestätigen. So zumindest die Korankommentatoren, die auch von den hiesigen islamischen Verbänden anerkannt werden und deren Bücher in jeder Moschee zu finden sind. An einer falschen Interpretation liegt das Gewaltpotenzial des Islams also nicht. Im Gegenteil. Durch die anerkannte Literatur zur Koranexegese verfestigt sich die Gewalt nur noch mehr und wird theologisch untermauert.

Autor: Barino Barsoum

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